Eierstockentzündung

Was ist eine Eierstockentzündung (Adnexitis)?

Der medizinische Fachbegriff für eine Eierstockentzündung und für eine Entzündung der Eileiter lautet Adnexitis. Das Wort leitet sich vom lateinischen „Adnex“ ab und bedeutet Anhang. Die Adnexe sind folgerichtig die Anhangsgebilde der Gebärmutter, also Eierstöcke und Eileiter. Kommen sie in Kontakt mit Krankheitserregern, können sie sich entzünden. Das bereitet den betroffenen Frauen nicht selten langwierige Beschwerden und verursacht in manchen Fällen Spätfolgen wie zum Beispiel Unfruchtbarkeit.
Von einer Adnexitis sind vorwiegend Frauen zwischen 20 und 35 Jahren betroffen. Faktoren wie das Sexualverhalten und die persönliche Hygiene beeinflussen das Risiko einer Infektion.

Die Adnexitis macht zirka zehn Prozent aller Erkrankungen an den weiblichen Geschlechtsorganen aus.
 
 

Symptome

Es gibt ein akutes und ein chronischen Stadium der Adnexitis mit entsprechend abweichenden Beschwerden.

Das akute Stadium äußert sich in plötzlich auftretenden starken Unterbauchschmerzen. Der Leib ist stark aufgetrieben und die Bauchdecke gespannt. Fieber, Brechreiz und Übelkeit sind weitere Anzeichen der Erkrankung. In vielen Fällen sondert die Scheide eitrigen Ausfluss ab, die Gebärmutter ist vergrößert und schmerzt bei Druck. Je länger die Infektion dauert, desto mehr Symptome gesellen sich hinzu: Eierstöcke und Eileiter schwellen an und die Patientinnen klagen über Druckschmerz. Bewegungen am Gebärmutterhals tun den betroffenen Frauen ebenfalls weh und die Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BKS) nimmt spürbar zu.

In manchen Fällen geht diese akute Entzündung in eine chronische Phase über. Nach dem Abklingen der akuten Entzündung bestehen weiterhin Beschwerden oder die Beschwerden treten nach kürzester Zeit erneut auf. Sie beruhen zu einem Teil auf einer nicht erfolgreichen Therapie, zu einem anderen Teil auf narbigen Veränderungen nach einer abgeheilten Entzündung. Solche Vernarbungen bereiten Schmerzen im Rücken, die die betroffenen Frauen besonders nach dem Geschlechtsverkehr plagen. Aber auch Verstopfung, Blähungen, ein unregelmäßiger Zyklus und Schmerzen bei der Regelblutung können die Folge sein. Nun besteht auch die Gefahr von bleibender Unfruchtbarkeit.

Die chronische Adnexitis kann über Monate, manchmal sogar Jahre fortbestehen.
 
 

Ursachen

Auslöser einer Adnexitis sind in der Regel Bakterien – nur in seltenen Fällen Viren. Ungefähr ein Drittel der Infektionen geht auf das Konto von Gonokokken. Gonokokken verursachen eine Gonorrhoe – im „Volksmund“ auch als Tripper bekannt. Die meisten Adnexitis-Fälle sind jedoch das Resultat von so genannten Mischinfektionen. Das heißt, verschiedene Erregerarten sind am Krankheitsgeschehen beteiligt. Dies können Staphylokokken, Koli-Bakterien, Chlamydia trachomatis, Clostridien und Anaerobier, Bakterien, die ohne Sauerstoff auskommen, sein. Manchmal kann sich eine Adnexitis auch im Rahmen einer Tuberkulose-Infektion einstellen.

Die Erreger gelangen auf ganz verschiedenen Wegen zu den Adnexen. Im Rahmen einer so genannten aszendierenden, also aufsteigenden Infektion finden sie über die Scheide ihren Weg in den Körper. Damit sie auf ihrer „Wanderung“ zu den Adnexen Sperren wie den inneren und äußeren Muttermund überwinden können, müssen sie jedoch vor Ort „günstige Bedingungen“ vorfinden. Ihren Eintritt erleichtern zum Beispiel die Regelblutung, Geburten und Fehlgeburten, Eingriffe an der Gebärmutter von der Scheide aus wie das Einlegen der „Spirale“, Schleimhautveränderungen am Gebärmutterhals, Myome oder Polypen im Muttermund und im Gebärmutterhals.

Daneben gibt es auch die deszendierende, die absteigende Infektion. Hier bewegen sich die Erreger von entzündeten Nachbarorganen wie einem entzündeten Wurmfortsatz in Richtung Adnexe.

Andere Krankheitskeime treten ihre Reise zu Eileitern und Eierstöcken über das Blut an. Dies bezeichnet man als hämatogene Infektion. Sie ist zum Beispiel typisch für Infektionen mit dem Erreger der Tuberkulose, kann aber auch bei einer Virusgrippe, Mumps oder Scharlach auftreten.
 
 

Wann ist ein Arzt aufzusuchen?

Grundsätzlich sollte ein Arzt aufgesucht werden, wenn plötzlich starke Schmerzen die Patientin plagen. Denn die Ursache der Beschwerden muss umgehend geklärt werden. Im übrigen sehnen sich die Betroffenen ohnehin nach einer raschen Linderung der Schmerzen.
 
 

Diagnose

Zunächst fragt der Arzt nach den vorliegenden Beschwerden. Daran schließt sich eine körperliche Untersuchung an, bei der sich Krankheitszeichen wie eine vergrößerte Gebärmutter, die einen Druckschmerz verursacht, und ebensolche Eierstöcke und Eileiter rasch bemerkbar machen.

Zusätzlich entnimmt der Arzt einen Abstrich vom Gebärmutterhals, den er direkt unter dem Mikroskop untersucht. Weiteres Abstrichmaterial schickt er zur genaueren Analyse an ein Labor. Zudem wird er Blut abnehmen und es auf die Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit und einen Anstieg der weißen Blutkörperchen untersuchen.

Eine Bauchspiegelung ermöglicht den genauen Blick auf die inneren Geschlechtsorgane und die benachbarten Organe. Hierbei kann direkt von der Oberfläche von Eierstöcken und Eileitern Material zum Erregernachweis gewonnen werden. Allerdings erfolgt ein solcher Eingriff unter Narkose.
 
 

Behandlung

Zunächst wird die Behandlung mit konservativen Methoden beginnen. Operative Verfahren kommen erst dann zum Einsatz, wenn die konservativen versagt haben oder es zu Komplikationen gekommen ist.

Die konservative Therapie umfasst die Gabe von Medikamenten und Maßnahmen der physikalischen Therapie. Medikament der ersten Wahl ist ein geeignetes Antibiotikum. Der behandelnde Arzt beginnt hier zunächst mit einem Präparat, das ein möglichst breites Erregerspektrum angreift. Steht der Erreger nach einer Laboruntersuchung des entnommenen Abstrichs fest, stellt er auf ein Mittel um, das gerade den nachgewiesen Bakterientyp bekämpft. Zusätzlich finden Arzneien Anwendung, die gegen die Entzündung (antiphlogistisch) und gegen die Schmerzen (analgetisch) wirken.

Bestehen Unregelmäßigkeiten im Zyklus, kann zudem die Gabe eines Hormonpräparats nötig werden.

Patientinnen mit einer akuten Adnexitis müssen strenge Bettruhe einhalten. Auf dem Unterbauch platzierte Eisbeutel sind nicht nur schmerzlindernd, sie verringern die durch den Entzündungsvorgang bedingte stärkere Durchblutung und verhindern damit die weitere Ausbreitung der Keime.

Chronisch an Adnexitis erkrankte Patientinnen seien Kuraufenthalte mit Moorbädern und Fangopackungen empfohlen. Zeigen Maßnahmen wie diese keinerlei Wirkung, ist manchmal die Operation die letzte Möglichkeit, endlich Beschwerdefreiheit zu erzielen. Die Operation kann die Entfernung der Eileiter aber auch der Eierstöcke sowie der Gebärmutter umfassen.

Kommt es bei einer akuten Adnexitis zu Komplikationen wie einer Bauchfellentzündung, ist eine Operation ebenfalls unumgänglich. Es geht dabei vor allem darum, die Komplikationen zu beseitigen, also zum Beispiel Eiter aus dem Bauchraum auszuräumen.
 
 

Komplikationen

Die Entzündung kann mitunter auf Nachbarorgane übergreifen und zum Beispiel eine Bauchfellentzündung hervorrufen.

In einigen Fällen wird die Krankheit chronisch, hält Monate bis Jahre an. Die Patientin quält sich mit Schmerzen herum und wird von Fall zu Fall dauerhaft unfruchtbar.
 
 

Prävention

Da eine Adnexitis in vielen Fällen durch von der Scheide aufsteigende Bakterien ausgelöst wird, ist Hygiene ein wichtiger Punkt. Verwenden Sie beim Geschlechtsverkehr am besten Kondome, das beugt einer Scheidenentzündung und damit einer daraus entstehenden Adnexitis vor.

Hygiene ist auch das oberste Gebot, wenn es um Eingriffe am Gebärmutterhals oder am Muttermund geht.
 
 

Was kann ich selbst tun?

Seien Sie sauber, auf diese einfache Formel lassen sich die heimischen Vorbeugungsmaßnahmen bringen – und zwar was Ihre persönliche Hygiene und was Ihre Sexualhygiene angeht. Es ist wichtig, Infektionen in der Scheide zu vermeiden, die zu einer Adnexitis führen können. Sorgen Sie zum Beispiel dafür, dass der Partner möglichst ein Kondom verwendet. Achten Sie auf Ihre Intimhygiene. Allerdings dürfen Sie dabei nicht das Scheidenmilieu aus dem Gleichgewicht bringen. Verzichten Sie also besser auf „aggressive“ Intimsprays.